Loredana Dolder

Geistlicher Impuls

Steinpilz (Foto: Malgorzata Pellegrinelli)

Vom Suchen, Finden und Gefundenwerden
Es ist Schwammerlzeit. All diejenigen, die wie ich vom Pilzesuchvirus infiziert sind, kennen das Glücksgefühl beim Finden eines prächtigen Steinpilzes. So machte ich mich dieser Tage auf den Weg, in der Hoffnung, einige Exemplare zu finden.
Täublinge, Boviste, Reizker, Fliegenpilze und mir unbekannte Sorten standen am Weg. Aber keine Steinpilze. Auch nicht auf ihren bevorzugten Plätzen. So hatte ich Zeit, über das Suchen und Finden nachzudenken.
In der Bibel wird Gott als ein Suchender beschrieben. Er sucht nach uns und die Freude über die gelungene Suche wird in den Gleichnissen vom verlorenen Sohn, dem verirrten Schaf und der wiedergefundenen Drachme beschrieben. Aber anders als wir Schwammerlsucher freut sich Gott über jede Sorte von Mensch. Ob alt oder jung, geniessbar oder ungeniessbar, frisch oder verschrumpelt – seine Freude über die gefundenen Menschen ist gewaltig. Und Gott sucht so lange, bis der Mensch sich finden lässt.
Meine Suche an diesem Tag hatte ein überraschendes Ende. Wieder zu Hause – ohne Steinpilze – räumte ich den Rucksack aus. Dabei fiel plötzlich ein kleiner Metallengel aus einer Falte. Mein Schutzengel fürs Auto, den ich seit fast einem Jahr vermisste. So hatte ich doch noch etwas gefunden und dass es gerade ein Engel war, hat mich besonders berührt.

Petra Kreuzer
Bereitgestellt: 18.09.2021     Besuche: 15 Monat